Vor 20 Jahren gründete Frau Dorothea Puls zusammen mit einigen Gleichgesinnten das FFE.

Puls Rede          Darüber berichtet sie anlässlich des Jubiläums

                                                           und stellt außerdem noch einige Überlegungen zum Thema ehrenamtliche Einsätze an:

 

Vor 10 Jahren stand ich schon einmal an diesem Ort und verabschiedete mich von den Mitarbeitenden im Freiwilligenforum. Ich bin sehr glücklich, dass ich heute wieder kommen darf und vor allem darüber, dass es das Freiwilligenforum immer noch gibt. 20 Jahre – das ist schon eine lange Zeit!

Ich meine ermessen zu können, wieviel persönliche Lebenszeit, wieviel guter Wille, Anstrengung und Durchhaltevermögen von jeder und jedem Einzelnen von Ihnen, liebe Mitarbeitende, in diesen 20 Jahren stecken. Haben Sie ganz herzlichen Dank dafür!

Es gäbe dies Jubiläum aber nicht, wenn Sie in dem, was Sie tun, nicht auch einen guten Sinn sehen würden. Das verbindet uns, auch wenn ich nur die Hälfte dieser Zeitspanne mit Ihnen zusammengearbeitet habe.

Birgit Grote meinte, ich möge denen, die noch keine 20 Jahre dabei sind, etwas von den Anfängen des FFE erzählen. Das will ich gern tun.

Von den allerersten Anfängen weiß nur ich.

Zunächst die Beobachtung, dass ehrenamtliche Arbeit oft so empfunden wird: „Wenn Du den kleinen Finger gibst, nehmen sie die ganze Hand“.  Dann die Tatsache, dass man als ehrenamtlicher Mitarbeiter leicht mal zu Tätigkeiten gedrängt wird, zu denen man eigentlich keine Lust hat oder die einen über- oder unterfordern. Infolge solcher Erfahrung die Frage:

„ Wie komme ich da mit Anstand wieder raus?“

Dann las ich einen Zeitungsbericht über die Gründung des Freiwilligenforums Pinneberg und dachte: „Ja, das ist der richtige Ansatz!  Die erste Frage muss sein: „Was wollen Leute, die Kompetenzen und freie Zeit haben, denn gern tun? Die zweite ist: Wer kann ihr Angebot gebrauchen? Ehrenamtliche müssen Freude an ihrer Arbeit haben und sie dürfen sich niemals ausgebeutet fühlen.

Im Rahmen des Besuchsdienstes der St. Nikolaigemeinde besuchte ich eine alte Dame zum Geburtstag, die kaum sehen konnte, sehr schlecht hörte und aus ihrer Wohnung gar nicht mehr herauskam.

Das war Einsamkeit pur. Mein spontaner Gedanke: Diese Frau braucht viel öfter jemanden, der sie besucht. Das müsste eine Frau sein, denn höhere Stimmfrequenzen konnte sie noch hören. Jemand, der Zeit zum Zuhören und Erzählen hat, denn die alte Dame hatte ein interessantes und reiches Leben gehabt und viel zu erzählen. Ich selbst konnte Sie nicht oft genug besuchen, denn in unserem Haushalt lebte meine pflegebedürftige Mutter.

Ich wusste von einer etwa 12 Jahre jüngeren Dame in meiner Nachbarschaft, die nicht an Krankheiten aber an Langeweile litt. Es wäre schön gewesen, wenn ich die beiden Frauen mit ihren jeweiligen Bedürfnissen hätte zueinander bringen können, das gelang aber nicht. Mit so jemand kümmerlichem... nein, lieber nicht.

Man müsste einen größeren Pool von Leuten haben, möglicherweise fände sich darin jemand, für den genau diese ehrenamtliche Aufgabe Sinn macht. Das Konzept der Pinneberger kam in Erinnerung.

Das Diakonische Werk war inzwischen auch auf den Trichter gekommen und bot einen Workshop zum Thema Freiwilligenforen an. Ich fuhr mit Herrn von Bremen vom Diakonischen Werk des Kirchenkreises und Herrn Mohr, den ich als unermüdlichen Ehrenamtler bereits kennengelernt hatte, hin. U.a. machten wir Bekanntschaft mit den Pinnebergern und verabredeten  einen Besuch in Pinneberg, um zu lernen, wie sie ihren Laden organisieren.

Jetzt war der Beschluss gefasst: Wir probieren, ob es nicht auch in Elmshorn ein Freiwilligenforum geben kann.

Nun brauchten wir zweierlei: Mitmacher und ein organisatorisches Dach, damit wir Spender rekrutieren können. Denn das war uns schon klar: Völlig ohne Geld kommt auch eine Einrichtung, die unentgeltlich arbeitet, nicht aus.

Ich wollte auf keinen Fall, dass das FFE als kirchliche Einrichtung installiert würde. Eine Kirchengemeinde ist zur Rekrutierung von Anbietern von Hilfeleistungen und ihren Inanspruchnehmern ein zu enger Raum, ein zu kleiner Pool. Und ich war und bin auch heute noch ganz fest überzeugt: es gibt ganz viele Menschen guten Willens, die nicht kirchlich gebunden sind, und die leider oft als hoch empfundene Schwelle zur Kirchengemeinde nicht überwinden. Dem damaligen Propsten gelang es, den Kirchenkreisvorstand davon zu überzeugen, dass es sinnvoll ist, das FFE unter dem Dach des Kirchenkreises zu beherbergen, obwohl es keine explizit kirchliche Einrichtung ist. Er fand, die angedachte Arbeit des FFE sei sehr im Sinne des Evangeliums, und hatte auch ein Interesse daran, die Kirche durch Kooperation aus ihrer Insellage herauszubringen. Außerdem hatten auf diese Weise die Ehrenamtlichen einen Versicherungsschutz für ihre Arbeit.

Wir brauchten Mitmacher. Herr v. Bremen wusste von Herrn Just, der sich mit ähnlichen Gedanken trug, und tatsächlich schloss Herr Just sich uns an. Herr Just kannte Herrn Körner, der mitmachen wollte und eine Grafikerin kannte, die uns für lau das Logo machte. Mein Mann kannte Frau Grote, die er immer „die schöne Apothekerin“ nannte und von der er sagte: “Was sie will, kriegt sie durch.“ Das waren zwei Eigenschaften, die ich bei mir vermisste. Ich brauchte Frau Grote und meldete mich bei ihr an, um ihr die Idee vom FFE vorzustellen und sie einzuwerben.

Ihre Freundin war bei diesem Gespräch dabei, Frau Christiani. Und wirklich kam nach einigen Tagen ein Anruf: „Wir machen beide mit“.

Ermutigt machten wir jetzt einen Zug durch die Gemeinde und stellten bei der Stadt und bei verschiedenen Institutionen unser Projekt vor. Die Reaktionen waren gemischt, von Skepsis bis zu großem Interesse und Bereitschaft, uns zu unterstützen.

Ein Freiwilligenforum braucht eine Anlaufstelle. Uns konnte, abgesehen von der Lage im 1. Stock, nichts Besseres passieren, als dass der 1. Stadtrat, Herr Lützen, uns den kleinen  Raum im Torhaus zur Nutzung anbot. Die Volksbank baute um und spendierte uns Büromöbel, die nicht mehr benötigt wurden. Zu Hause hatten wir noch 70ger-Jahre-Gardinen aus unserem 1. Pastorat. Ich glaube, die hängen heute noch im Büro.

Jetzt konnte es losgehen. Wir diskutierten ausführlich über den Text unserer maigrünen Flyer. Wir stellen uns auf den Wochenmarkt und brachten die Flyer unter die Leute. Wir stellten uns der Presse vor. Wir konnten die Sparkasse als unseren Hauptsponsor gewinnen, der sie dankenswerter Weise die ganzen 20 Jahre geblieben ist. Und schließlich luden wir zur Gründungsveranstaltung heute vor 20 Jahren ein.

Es kamen interessierte Leute, aber dass das Büro in den nächsten Monaten gestürmt worden wäre, kann man nicht gerade sagen. Bis zu einem Pool, in dem man eine gute Chance hatte, passende Kontakte von Anbietern und Inanspruchnehmern herzustellen, hat es lange gedauert, viel länger als in Pinneberg.  Wir merkten: Jeder Standort eines Freiwilligenforums hat seine eigenen Konditionen und nicht zuletzt hängt die Gestaltung der Arbeit ja auch von den Menschen ab, die sich im FFE einfinden. Die verschiedenen inzwischen entstandenen Freiwilligenforen tickten alle verschieden, aber wir konnten voneinander profitieren, was die Ideen anging. Kontakte zu alten Menschen machten den Anfang, es kamen Menschen mit Behinderungen dazu. Wir konnten ein Tandem anschaffen, auf dem blinde Kinder sich den Fahrtwind um die Ohren wehen lassen konnten, und wir waren sehr glücklich, dass nach einigen Jahren das Vorleseprojekt beginnen konnte, bei dem die Buchhandlung uns tatkräftig unterstützte, dass immer mehr Schularbeitenhilfe möglich war und immer mehr Sprachunterricht für ausländische Mitbürger.

Ein Merkmal all dieser Vorhaben war die Kleinteiligkeit. Wir haben nie in großen Gruppen gearbeitet. Vorgelesen wurde in Kleinstgruppen. Schülern wurde einzeln geholfen, und die größte Lerngruppe von ausländischen Mitbürgern bestand aus vier jungen Menschen und ihrem Lehrer, der bei uns freiwillig mitarbeitete.

Gruppenunternehmungen gab es für die freiwilligen Mitarbeiter. Das waren Gelegenheiten zum Austausch über die Erfahrungen in der Arbeit, Unternehmungen, die Sinne und Gefühl schärfen konnten für Menschen in anderen Lebenssituationen, denn mit solchen hatten wir ja häufig zu tun, Fortbildungen für die Vorleserinnnen,  Informationsabende, einfach Unterhaltendes und Feiern. Für diese Aktivitäten, die das Miteinander der freiwilligen Mitarbeiter stärken und ihnen interessante neue Erfahrungen ermöglichen sollten, hatten wir dank treuer Sponsoren die Mittel. Das war hervorragend.

Neben solchen Extra-Angeboten hatte aber auch jeder Mitarbeitende die Gelegenheit, in den Bürostunden ins Torhaus zu kommen und dort im Gespräch mit dem Mitarbeiter, der dort gerade Dienst tat, seine Gedanken zu seinem eigenen Einsatz zu entwickeln: Ist das die Arbeit, die mir Freude macht? Wie wird sie angenommen? Stimmt die Chemie? Passt der zeitliche Einsatz in meine Lebenssituation ? Gibt es Ärgernisse? Was mache ich, wenn  mich jemand überfordert? Ich nehme an, dass das heute noch genau so funktioniert, und das wäre dann auch sehr gut.

Ich will nicht verschweigen, dass wir uns einige Male auch von Mitarbeitern trennen mussten, weil ihre Praxis sich nicht mit unseren, von ihnen unterschriebenen Richtlinien vereinbaren ließ. Das waren heikle Situationen. Wir konnten den Ruf unseres Forums aber nicht gefährden.

Manche der Menschen hier im Raum sind schon geschlagene 20 Jahre beim FFE. Immer kann man nicht mit gleicher Kraft dabei sein und darum ist es wunderbar, wenn sich immer wieder neue freiwillige Mitarbeiter melden, die ihren Platz in dieser Einrichtung finden und ihr für eine gewisse Zeit treu bleiben. Haben Sie alle ganz herzlichen Dank für ihr Engagement. Ich bin sicher, Sie tun da etwas richtig Gutes, für sich und für andere Menschen.

Als mein Mann und ich Elmshorn  verließen, war ich mit dem Herrichten unseres Hauses und des Gartens in Schobüll erstmal gut beschäftigt. Es waren auch noch umfängliche Oma-Einsätze in Kiel und München fällig... Aber dann kam ein Zeitpunkt, wo ich dachte: Ob ich hier bin oder in China fällt ein Sack Reis um, ist egal. Das ist kein gutes Gefühl. Ich wünschte mir, irgendjemand in Husum möge sich freuen, wenn ich komme, für irgendjemand möchte ich wichtig sein. Im Gegensatz zu dem, was mir als Kind vermittelt wurde, finde ich es einen elementaren und sehr berechtigten Wunsch, für andere Menschen wichtig zu sein.

Mein Mann war schlau gewesen, er hatte ein nordkirchenweites Ehrenamt mitgenommen und vor Ort bot sich ihm bald eine Gelegenheit, sich mit Nachbarn bekannt zu machen: Er reparierte mit ihnen zusammen den langen, schrottigen Badesteg. Ich tat mich schwerer. Es gab in Husum kein Freiwilligenforum, wo ich hätte hingehen können. Also habe ich meinen Bedarf unter den wenigen Bekannten, die wir hatten, gestreut und kam so zu einer ehrenamtlichen Mitarbeit im Kinderschutzbund. Zunächst unterrichtete ich junge ausländische Mütter, die  an keinem Sprachkurs teilnehmen konnten, weil die kleinen Kinder noch an ihrem Rockzipfel hingen. Später arbeiteten mein Mann und ich gemeinsam in einer Einrichtung des betreuten Wohnens. Das tun wir heute noch. Es ist richtig Arbeit und es macht richtig Freude.

Es hätte auch ein anderes Engagement sein können, aber dieses passte für uns. Es machte in unserem Rahmen von Denken, Fühlen und Erfahrungen Sinn. Es leuchtete uns ein. Darum wollten wir uns genau da engagieren und hatten davon einen ganz persönlichen Gewinn.

Und auch das finde ich nicht ehrenrührig: Freiwillige Arbeit kann nicht nur, sondern muss für den Anbieter und den Inanspruchnehmer ein Gewinn sein, wenn sie gelingen soll. Der Gewinn besteht in der Überzeugung, etwas Sinnvolles zu tun. Das hält uns geistig und emontional wach. Was sinnvoll ist, empfindet und entscheidet aber jeder für sich.

Der Wunsch, dass das eigene Tun einen guten Sinn haben möge, ist für alle ehrenamtlich tätigen Menschen ein starkes Motiv, gleich, in welchem Bereich sie sich betätigen, etwa im Spendenparlament, im Kinderschutzbund, in der Beratungsstelle für Frauen, im Willkommensteam, in der Bahnhofsmission, in den Kirchengemeinden, bei den Mediatoren. Elmshorn ist reich an Einrichtungen, die von Ehrenamtlichen getragen werden oder sie in ihre Arbeit einbinden. Ich kann sie nicht alle nennen. So viele Male gibt es diesen Impuls in dieser Stadt, bei so vielen einzelnen Menschen. Die verschiedenen Einrichtungen geben ihnen den Raum und die Möglichkeit, diesem Impuls zu folgen. Glücklicherweise kann in dieser Stadt fast jeder einen Ort finden, wo er sich ehrenamtlich betätigen kann, wenn er das will. Und richtig ist, wenn sich jeder die Initiative aussucht, wo er oder sie die eigenen Kompetenzen gut ausschöpfen kann und wo die ehrenamtliche Aufgabe sich gut in die eigene Lebensgestaltung einfügt.

In Husum gibt es ein Ehrenamt, für das Ehepaare sich für die Dauer von 8 Jahren verpflichten. Von den 8 Jahren sind zwei mit täglicher verantwortungsvoller Arbeit verbunden. Da fragt man sich: Wer macht denn sowas? Tatsächlich findet sich seit Jahrzehnten alle 2 Jahre ein Ehepaar, das die Arbeit zu tun bereit ist, und auch diese Leute haben davon einen ganz persönlichen Gewinn.

Im FFE werden kleine Brötchen gebacken. Das ist ein Grundmerkmal dieser Einrichtung und war von Anfang an so beabsichtigt. Niemand muss sich auf eine bestimmte Zeit verpflichten, jeder kann selbst genau bestimmen, was er tun will und was eben auch nicht. Ist das nun nichts? Nein, es ist ganz viel, denn es gibt vielen Menschen die Möglichkeit, sich in ihrem Rahmen zu engagieren. Man möchte sich die so entstehende Menge verschiedenster Aktivitäten und menschlicher Verbindungen nicht aus dem Gemeinwesen wegdenken.

Als das FFE noch in den Kinderschuhen steckte, haben wir in einer  Schulküche aus großen Mengen Pfefferkuchenteig viele einzelne Pfefferkuchenmänner ausgestochen. Deren Gestalt orientierte sich an der der „Stutenkerle“ aus meiner westfälischen Heimat. Die sehen so aus :... Wenn ich so dastehe, bin ich allein. Aber das will ich nicht. Ich brauche einen anderen Kerl (oder eine Dame)........ Jetzt sind wir zwei , die allein sind. Wenn uns das nicht gefällt – und wer will schon immer allein sein – verbinden wir uns.......Wie geht’s uns damit? Haben wir Spaß? Sind wir zusammen stark?  Bei unserer Aktion „Backen, Schnacken und Packen“ wurden je zwei Pfefferkuchenleute nebeneinander gelegt und ihre Arme so geformt, dass sie sich einhakten. Fertig gebacken, wurden sie in der weihnachtlichen Innenstadt an Passanten verschenkt. Auf der Tüte stand: „Helfen macht Freude“.

Stimmt das eigentlich? Habe ich mich nicht gewaltig geärgert, wenn die Schüler, denen ich bei den Schularbeiten zu helfen bereit war, nicht pünktlich waren? Habe ich nicht manchmal gestöhnt, wenn die blinde Frau, mit der ich einkaufen ging, mich allzu viel schleppen ließ? Natürlich hatte ich nicht immer Lust, ins FFE-Büro zu gehen...

Aber war ich nicht auch sehr froh, wenn die ausländischen Kinder schließlich ihren Weg in unseren Schulen machen konnten, und ich hatte dazu einen Beitrag geleistet? Hat es mich nicht gefreut, wenn die blinde Frau mich jede Woche wieder mit Freude erwartete? War es mir nicht ein hoher Wert, ihr Vertrauen oder das der Eltern meiner Schularbeitenkinder zu haben? Waren es nicht richtige Glücksmomente, wenn ich im Büro die richtigen Leute miteinander verbinden konnte? Habe ich nicht aus allen Kontakten, die sich in der praktischen Arbeit ergaben, etwas gelernt, was mein eigenes Leben bereichert hat? Vor kurzem, während wir mit ebenfalls alten Freunden den Gang unseres Lebens reflektierten, hörte ich mich selbst sagen: Was mich hat wachsen lassen, war die freiwillige Arbeit.

Unsere gebackenen Freiwilligen sahen lustig aus, aber bei genauerem Hinsehen hatten sie alle irgendwelche Macken. Die Korinthenaugen saßen, wo sie gar nicht hingehörten, sie hatten ungleich lange Beine und Klumpfüße, manche waren ziemlich mickrig. Sie waren halt wie wir: Nobody is perfect. Wir haben alle unsere Macken oder, seriöser ausgedrückt, wir sind bedürftig. Bedürftig zu sein ist ein Grundmerkmal menschlichen Lebens und wir tun gut daran, dass zu akzeptieren.

Vielleicht kennen Sie diese Zeilen von Leonard Cohen:

 „There ist a crack in everything. That´s how the light gets in.“

Die Cracks, die Risse, die Macken, die eigene Bedürftigkeit sind eine Chance. Sie lassen mich erkennen, dass ich andere Menschen brauche, die ihrerseits ebenfalls ihren „crack“ haben und ebenfalls nach Glück streben. „The light gets in“, Licht dringt ein. Fulbert Steffensky sagt es so:

 „man leuchtet sich selbst ein“. Er sagt weiter: „ Die eigentliche Größe des Menschen ist, diese Verwiesenheit zu bejahen und sich ihrer nicht zu schämen. Je geistiger ein Wesen ist, um so mehr ist es angewiesen und abhängig, und es schämt sich nicht dieser Abhängigkeit. Erst von einem Wesen, das seine eigene Hilfsbedürftigkeit nicht verleugnet, kann man sich helfen lassen, ohne dass diese Hilfe beschämt.“

Lebendig sein heißt in Beziehungen leben. Wir sind allesamt bedürftig nach Beziehung zu anderen Menschen. Wir brauchen einander. Ohne mitmenschliche Kontakte gehen wir kaputt.Kinder können sich nicht entwickeln, wenn sie nicht in Beziehungen leben. Wir haben einen Gewinn, wenn wir uns zusammen tun. Aber es ist kein Geschäft, was uns verbindet. Das FFE ist ja keine Tauschbörse, die so funktioniert, dass ich, wenn ich eine Leistung vergebe, eine zwar anders geartete, aber gleichwertige Leistung wieder bekomme. Das ist ein Handel ohne Geld, aber es bleibt ein Handel.

Unser Etikett an den gebackenen Freiwilligen stimmt schon: Helfen macht Freude. Freude entsteht dadurch, dass ich in Beziehungen lebe. Neben der Freude, die bei der freiwilligen Arbeit entsteht, kann ich sie an anderen Quellen suchen. Wir haben z.B. am Singen im Chor festgehalten. Das tut uns gut.

Was, wenn irgendwann meine Kräfte nachlassen und ich niemand mehr „tatkräftig“ helfen kann? Dann kann ich mich sehr freuen, wenn mich jemand besucht, mit mir erzählt, mit mir an die frische Luft geht und wir beide eine gute Zeit miteinander haben. Ich werde es ihm / ihr sehr danken. Zu schämen brauche ich mich nicht. Ich darf davon ausgehen, dass mein Besucher auch einen Gewinn davon hat.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir wissen alle, dass unser Tun nicht perfekt ist, so wie wir es selbst nicht sind. Lassen Sie uns trotzdem den Mut nicht verlieren und die Beziehungen zu den anderen unperfekten Menschen aufnehmen und  pflegen, nicht zuletzt durch die ehrenamtliche Arbeit im Freiwilligenforum. Leonard Cohen setzt seine Zeilen fort:

 

„There is a crack in everything.

That´s how the light gets in.

Ring the bell that still can ring.

Forget the perfekt offering.“

 

Da ist ein Riss in jedem Ding.

So bricht das Licht herein.

Läut jede Glocke, die noch klingt.

Perfekt muss es nicht sein.